Dienstag, 20. Januar 2009
hallo 2009
viel viel zu lang ist es her, dass ich meinen Blog aktualisiert habe. Das soll sich jetzt aber ändern!
Seit meinem letzten Blogeintrag ist viel Zeit vergangen und dementsprechend auch viel passiert.
Der Wechsel zu meiner eigentlichen Arbeitsstelle Anfang Oktober ist sehr gut verlaufen. Es war schon auffällig, wie anders ich dort als deutscher Freiwilliger behandelt werde. Während man im CAOMIDA immer alles „hundertmal“ erfragen muss, nichts Konkretes bekommt und alles irgendwie schwammig organisiert ist, ist es in der Platforme alles besser organisiert. Ich werde quasi als richtiger Mitarbeiter behandelt. Das fängt bei dem Pünktlichsein morgens an,(bin meistens eh der erste, der aufschließt, deutsche Pünktlichkeit halt ^^) geht über klare Arbeitsbereiche und Aufgaben und hört bei festen Arbeits- und Urlaubszeiten auf. Nach dem etwas „laschen“ Monat im CAOMIDA kam mir das zum Teil etwas befremdlich vor, aber ich fühle mich auch geschmeichelt, dass ich für so „vollwertig“ genommen werde und finde es korrekt in dieser Organisation und zu arbeiten.
Ja wann kommt er denn dazu endlich zu schreiben, was er den ganzen Tag in der Plateform macht?!?!?
Ich habe hier einfach nochmal einen Auszug aus meinem Rundbrief. Ich finde, der umreißt ganz gut, was ich da so mache:
„Pünktlich zum 1. Oktober habe ich dann, für mich dennoch etwas abrupt, in meiner eigentlichen Arbeitstelle der „La Plate-forme d’accueil pour les mineurs isolés“, einer Anlaufstelle für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im 18. Arrondissement von Paris angefangen. In der Plate-forme arbeitet ein zehnköpfiges Team aus Sozialarbeitern und einer Französischlehrerin.
Täglich kommen neue Jugendliche in Paris an. Sie schlagen sich entweder selber bis Frankreich durch oder werden von Schleusern hier abgesetzt. Einmal angekommen leben diese Flüchtlinge dann auf den Straßen von Paris und schlafen in Parks oder in den Metrostationen. Vorrangiges Ziel der Plate-forme ist es daher diesen Flüchtlingen einen ersten Schutz bieten zu können. Zu diesem Zweck stehen 50 Schlafplätze in einfachen Hotels zur Verfügung. Außerdem erhalten die Jugendlichen jeden Tag einen Gutschein um sich Nahrungsmittel kaufen zu können.
Die Sozialarbeiter nehmen die Geschichte der Jugendlichen auf und beraten diese. Die Flüchtlinge werden solange von der Plate-forme begleitet bis ein Platz in einem französischen Kinderheim für sie gefunden wurde. Das geht manchmal recht schnell, aber es gibt auch Jugendliche, die schon seit 4 Monaten warten. Die Anlaufstelle funktioniert also sozusagen als Übergangsstelle für die Flüchtlinge.
Über dreiviertel der Jugendlichen in der Plate-forme kommt aus Afghanistan. Daneben gibt es auch einige Flüchtlinge aus dem Kongo, dem Sudan oder Eritrea.
Mein Arbeitstag beginnt für mich immer schon sehr früh: mit der S-Bahn und Metro brauche ich mindestens eine Stunde vom Caomida bis zur Plate-forme. Letztere öffnet um 9 Uhr. Ich mache den Jugendlichen dann ein einfaches Frühstück. Während des ganzen Tages bin ich Teil des „Accueil-Teams“. Das bedeutet nicht nur Anrufe entgegen zunehmen und weiterzuleiten, sondern auch Jugendliche, die gerade neu ankommen willkommen zu heißen. Wenn es die Sprache zulässt, ist es auch schön mit den Jeunes ins Gespräch zu kommen. Viele unterhalten sich gerne mit mir und interessieren sich für Deutschland.
Ein weiterer Aufgabenbereich von mir sind die „Accompagnements“. Fast täglich begleite ich die Jugendlichen bei Behördengängen, zu ärztlichen Untersuchungen und Impfungen oder helfe ihnen bei der Einschreibung für eine Französischklasse. Anfangs ist es mir sehr schwer gefallen, da mein Französisch ja auch noch nicht so gut war. Mittlerweile stellt das aber kein Problem mehr für mich da und es ist ein sehr schön zu spüren wie dankbar die Jugendlichen für diese Hilfe sind.
Einmal in der Woche gehe ich mit den Jugendlichen Fußball spielen. Dabei merkt man richtig wie gut ihnen der Sport tut. Ich glaube, dass die Bewegung und das Zusammenspielen ein gutes Mittel ist, um der eigenen Unzufriedenheit aber auch der Unsicherheit Platz zu machen.
Außerdem organisiere ich zusammen mit einer Kollegin einmal pro Woche einen Ausflug für die Jugendlichen. Das können kleine Sachen, wie ein Ausflug zum Hochausviertel „la Défense“ oder aber auch größere Ausflüge wie zum Schloss nach Versailles sein. Hier kann ich auch gut das einbringen, was ich im ersten Monat als Animateur im Caomida gelernt habe.
Generell empfinde ich die Arbeit in der Plate-forme „rauer“ als im Caomida. Die Jugendlichen in der Anlaufstelle sind zum Beispiel in materieller Hinsicht viel schlechter gestellt. Die Kleidung, welche sie tragen ist oft die einzige, die sie besitzen. Sie haben keine wirkliche Vertrauensperson, die ihnen zur Seite steht oder Regeln aufzeigt. Nicht zuletzt ist manchmal das sehr lange Warten auf einen Heimplatz sehr frustrierend . Das äußert sich nicht nur in dem zum Teil verbal „hitzigen“ Klima, sondern auch in Handgemengen und Schlägereien.
Gerade jetzt wo es draußen kälter wird kommen täglich regelrechte „Wellen“ von neuen Jugendlichen. Leider dürfen wir nur 50 Jugendliche aufnehmen und so müssen wir jeden Tag Neuankömmlinge enttäuschen und abweisen. Das ist ganz schön hart, denn wer als Jugendlicher jetzt nachts draußen im Park schläft, dem droht nicht nur eine Erkältung oder völlig durchnässt zu werden, sondern auch das Opfer von Gewalt und Diebstahl zu werden. „
Kurz vor Weihnachten hatte ich dann einen Punkt erreicht, an dem es mir alles zu viel war: die Jugendlichen, das frühe Aufstehen das späte nach Hause kommen nach meinem Sprachkurs, das viele Metro und RER Fahren, die Dunkelheit, die wenige Zeit Sport zu machen, die Tatsache, dass keine Weihnachtsstimmung aufkommen wollte usw......irgendwie habe ich es so richtig gespürt, was „metro, boulot, dodo“ bedeutet.
Um so schöner war es dann, über Weihnachten zurück nach Bonn zu fahren. Ich habe richtig gemerkt, wie mir die Zeit in Deutschland gut getan hat: einfach mal was anderes machen und weg von der Arbeit kommen.
Gerade im Moment bin ich zwar auch hundemüde, aber ich fühle mich ausgeglichen und habe das gute Gefühl aus dem Vollen schöpfen zu können.
In meiner Arbeitsstelle ist gerade ein bisschen der Teufel los, weil im Januar eine regelrechte Welle von Afghanen in Paris ankam. Es sind unter anderem auf einmal so viele, weil die griechische Polizei mit den eigenen randalierenden Jugendlichen beschäftigt ist und es deshalb vielen Afghanen die Passage durch Griechenland gelungen ist.
Die Kapazitäten wurden auf 70 Jugendliche erhöht und wir haben auch zwei neue Kolleginnen bekommen. Nur die Räumlichkeiten sind nach wie vor die alten, und so muss man sich manchmal schon etwas den weg frei kämpfen, wenn man vom einen Raum in den anderen will.
Ich komme jetzt mal besser zum Ende, denn morgen muss ich früh raus...
bis dahin
Je vous prie d'accepter, Monsieur/Madame, l'expression de mes salutations distinguées.
Dienstag, 30. September 2008
Ein Monat im CAOMIDA
es ist schon etwas länger her, dass ich einen Blogeintrag geschrieben habe. Hier hat sich derweil viel getan.
Wir konnten in letzter Zeit viele tolle Angebote für die Jugendlichen anbieten. Wir haben zum Beispiel auf einer, von der französischen Friedensbewegung organisierten Schifffahrt auf der Seine teilgenommen oder sind mit den Jugendlichen zum 5 jährigen Geburtstag von „Cultures du Coeur“, einem großen Event mit Musikern, Künstlern und Workshops gegangen.
Die Animation für die Jugendlichen zu organiseren ist nicht immer leicht, weil viele von ihnen oft in letzter Minute abspringen, und wir dann immer total gestresst durchs CAOMIDA düsen müssen, um neue Jugendliche davon zu überzeugen teilzunehmen.
Gestern haben wir zum Beispiel einen Ausflug zur französischen Nationalbibliothek angeboten. Dort wurde ein vielfältiges und kostenloses Kulturangebot angeboten, um die Pariser auf die Kultursaison 2008/09 einzustimmen. Von den Jugendlichen, die mitkommen wollen, haben uns dann alle versetzt und wir sind deshalb alleine nach Paris gefahren. Das war auch besser, denn so hatten wir genug Zeit und bei den diversen Ständen der Veranstalter zu informieren und um reduzierte Einlässe ins Theater oder in Museen für die Jeunes zu verhandeln.
Letztens ist einer der Jugendlichen aus dem CAOMIDA verschwunden. Ich wurde dann aufgeklärt, dass es häufiger mal passiert, denn für einige Jugendliche, vor allem für Afgahnen, ist Paris nur ein Zwischenstop auf dem Weg nach England, wo sie ihrer Vorstellung nach schneller Arbeit finden können.
Für mache Jugendliche hier ist es sicherlich auch nicht leicht: Sie dürfen hier nicht arbeiten, werden aber von ihren Familien, die sie zurückgelassen haben, unter Druck gesetzt Geld nach Hause zu schicken. Diese Forderungen lassen sich natürlich nicht mit einem Schulbesuch und erst recht nicht mit dem französischen Gesetz vereinbaren.....ich frage mich immer noch, wie man ohne Papiere von Frankreich nach England kommt.
Nach und nach erfahre ich so von einigen Jugendlichen hier ihre Geschichte. Ich versuche zwar darauf zu achten, dass sich deshalb mein Umgang mit ihnen nicht verändert, aber bei manchen fällt es mir dann schon schwer, diese wieder als normale „Jeunes“ zu sehen.
Bald ist das Ende vom Ramadan, und ich bin echt froh darüber. So bemerkenswert ich es finde den ganzen Tag lang weder zu essen noch zu trinken finde ich es echt schade, dass die muslimisches Jugendlichen hier durch das Fasten für einen Ausflug leider nicht zur Verfügung stehen, zu schlapp sind oder hibbelig werden.....
Ich finde es war genau richtig den ersten Monat erstmal hier mit den Jugendlichen zu arbeiten denn so konnte ich viel Neues ausprobiert und habe auch kräftig dazugelernt.
Seit heute Nachmittag wusste ich dann, dass ich morgen schon in der Platform anfangen werde. Das ging mir dann doch ein bisschen zu schnell und abrupt, aber ich bin auch schon gespannt, wie die Arbeit so sein wird. Ich werde fleißig berichten....
Morgen kommt auch mein erster Besuch nach Paris: meine Schwester und ihr Freund bleiben 5 Tage bei mir. Ich freue mich schon sehr, nicht zuletzt, weil sie auch wichtige Sachen, wie Tee und Kölsch mitbringen :-))))
Ach und nochwas: Ich habe letzte Woche von der ZVS Bescheid bekommen - hab im 2. Nachrückverfahren einen Medizinstudienplatz in Marburg bekommen. Köln und Aachen sind für mich dieses Jahr leider nicht drin gewesen....mal schauen was ich jetzt mache. Zum Glück habe ich noch jede Menge Zeit mich zu entscheiden.
Mittwoch, 17. September 2008
Die Arbeit beginnt...
Das Schlittschuhfahren hat insgesamt echt gut geklappt. Das Blumenlabyrinth war leider eher ein Reinfall, weil es nicht so groß und toll war, wie wir erwartet hatten. Im Moment bin ich noch in der Phase, in der die Jugendlichen bei mir ausprobieren, wie weit sie gehen können, was ich erlaube, was ich nicht mehr akzeptiere usw. Das ist manchmal echt anstrengend. Vor allem, weil ich ja nicht mal eben aus dem Stehgreif auf Französisch losschimpfen, oder die Regeln runter rattern kann....aber das kann ich nach dem Wochenende jetzt schon viel besser ;-)
Besonders ärgerlich finde ich, dass uns manche Jugendliche in der letzten Minuten hängen lassen und nicht mit zu den Veranstaltungen kommen wollen, die wir organisiert haben. So nehmen sie einem andern Jugendlichen, der sich nicht mehr anmelden konnte, die Möglichkeit teilzunehmen. Nach über zwei Wochen mit den Jugendlichen hier hat man so schon einen guten Eindruck, wer zuverlässig ist, und wen man erstmal nicht mehr zu einer Animation mit nimmt....
Heute war wieder, wie jeden Dienstag „Réunion“. Zuerst hatten wir Supervision und dann ging es hauptsächlich um die täglichen Regelüberschreitungen seitens der Jeunes im CAOMIDA und wie dem begegnet werden kann. Während der Réunion merke ich immer, wie sich mein Französisch ( hauptsächlich das Verstehen ) wöchentlich verbessert! Ein echt cooles Gefühl, denn heute habe ich fast alles verstanden, auch wenn es mal wieder sehr anstrengend war.
Am Donnerstag und Freitag Abend haben wir Karten für eine „one man show“ und ein Theater, wo wir mit den Jeunes hinwollen. Am Freitag dürfen wir außerdem der Französischlehrerin vom CAOMIDA bei einem Klassenausflug ins Musée du Louvre assistieren.
Obwohl, oder gerade weil hier alles so gut klappt, fühle ich mich ein bisschen zwischen den Stühlen, denn ich weiß, dass ich nächsten Monat mit der Animation hier im CAOMIDA aufhören und dann mit der Arbeit in der Platform anfangen werde. Dann bin ich dort wieder ganz neu, muss alle kennen lernen, tausende Namen behalten usw.....aber gleichzeitig bin ich auch froh hier aus dem CAOMIDA mal raus zukommen und in Paris zu arbeiten. In den zwei Wochen hier habe ich schon gemerkt, dass man hier auch irgendwie sehr „eingekapselt“ sein kann.
Letztes Wochenende waren wir mal wieder in Paris unterwegs. Da sind auch die Bilder vom Eiffelturm entstanden, der Dank französischer Ratspräsidentschaft blau angeleuchtet und mit gelben Sternen verziert ist. Die kann man jetzt oben rechts, in der Diaschau ansehen.
Heute habe ich auch einen positiven Bescheid für meinen Sprachkurs bekommen. Wenn ich den Test nächste Woche bestehe darf ich ab Oktober drei mal in der Woche zwei Stunden Abends mein Französisch verbessern ;-)
Mittwoch, 10. September 2008
Heute morgen hatten wir einen Termin bei der Post um ein französisches Konto zu eröffnen. Ihr glaubt echt nicht wie viel Papierkram das war! Tausend Formulare und dann haben wir erstmal nur eine Light-version des Kontos bekommen, weil immer noch ein Dokument gefehlt hat....
Außerdem hatten wir heute noch ein „Accompagnement“ für drei Jeunes, die gerne Fußball spielen wollen. Wir haben sie zum Fußballplatz gebracht und dann habe ich noch das Organisatorische mit dem Trainer und dem Sekretär des Vereins agesprochen, und das obwohl die Jugendlichen alle besser Französisch als ich sprechen, weil sie aus dem Senegal kommen. Aber auch das hat gut geklappt. Eben kamen die drei dann auch ziemlich fertig, aber zufrieden vom Training wieder. Sie wollen unbedingt dabei bleiben und am Sonntag schon ihr erstes Spiel gegen eine andere Mannschaft spielen. Nur dafür brauchen sie einen Spielerpass und diesen bekommen sie nur, wenn sie sich ausweisen können. Bei zwei Jungs sind die gesamten Papiere allerdings noch bei der „Prefecture“ in Bearbeitung. Von der Juristin hier haben wir schon erfahren, dass die Anträge der Jugendlichen in der Prefecture nur sehr willkürlich bearbeitet werden und es manchmal bis zu einem halben Jahr dauert, bis sie wieder da sind. Es war schon sehr krass für mich zu sehen, dass davon selbst abhängt, ob man für seine Mannschaft, mit der man trainiert, ein Spiel spielen darf oder nicht.
Heute Abend waren wir mal wieder joggen. Bei dem klasse Wetter war das sehr schön. Mir ist heute auch nochmal richtig aufgefallen, wie wichtig der Sport für mein Wohlbefinden ist. Außerdem haben wir endlich eine schöne Route durch den nahegelegenen Wald gefunden.
Gerade eben stand dann noch spontan Mathenachhilfe auf dem Programm. Erklärt mal auf Französisch den Unterschied zwischen reelen, ganzen, relativen usw. Zahlen....natürlich musste ich auch erstmal wieder nachlesen, was das überhaupt ist ;-)
So, das war also mein letzter Eintrag als Teenager ;-), irgendwie komisch
ab morgen dann als twenny !
Dienstag, 9. September 2008
langer Tag
Um 9 Uhr haben wir, wie jeden Dienstag, mit der Réunion begonnen. Diesmal war das Treffen sehr viel interessanter: es wurden bestimmte Jugendliche mit ihren Problemen besprochen und wie man ihnen am besten weiterhelfen kann. Außerdem hat uns die Juristin, die hier im CAOMIDA arbeitet nochmal allen genau erklärt, wie hier in unserm Departement die Asylanträge der Jugendlichen bearbeitet werden und welche rechtlichen Schritte unternommen werden können.
Nach der Réunion haben wir dann noch beim Austeilen des Abendessen geholfen. Das dauert im Moment doppelt so lange wie gewöhnlich, weil einige Jugendliche „le Ramadahn“ machen und deshalb erst nach Sonnenuntergang, also so um halb 9 essen wollen.
Beim Abendessen habe ich dann auch meine erste „brenzlige“ Situation hie erlebt, als ein großer Streit um die gerechte Verteilung der Donuts losging, es sehr laut wurde und auch ein Messer durch die Luft flog.....aber man beruhigte uns: solchen Streitereinen, c'est normal !
Und dann haben wir schließlich noch mit zwei Jugendlichen die Fußballsachen durchgeforstet und ihnen Sportkleidung für ihr Fußballtrainig morgen ausgeliehen....da war es auch schon 22h00!
Zusammen mit den Animateur, der leider gekündigt hat und übermorgen seinen letzten Arbeitstag hat, haben wir gestern ein Programm mit Aktionen für die Jugendlichen aufgestellt, welches Schlittschuhlaufen, ein Blumenlabyrinth, eine Schiffsfahrt auf der Seine durch Paris und Schwimmen umfasst. Die Eintrittskarten für dieses Programm bekommen wir gratis von „Cultur du Coeur“, eine Organisation, deren Ziel es ist benachteiligten Personen den Zugang zu Kultur und Freizeitaktivitäten zu ermöglichen. Es ist ein schönes Gefühl, dass es jetzt so langsam losgeht! Die Jugendlichen haben sich auch fleißig für die Aktionen angemeldet und ich bin schon gespannt, ob alles so klappt, wie wir uns das vorstellen!
Morgen früh haben wir endlich einen Termin bei der Bank, wo wir hoffentlich ein französisches Konto eröffnen können. Zur Vorbereitung habe ich auch schon fleißig den gesamten „Bankwortschatz“ gelernt und weiß jetzt was Bankverbindung, Überweisung, Bankleitzahl usw. auf Französisch heißt ;-) da kann ja nichts mehr schief gehen morgen....
Sonntag, 7. September 2008
Die erste Woche
Hallo,
jetzt bin ich schon eine Woche lang in Paris. In der Zeit habe ich wirklich positive Eindrücke gewinnen können. Vieles konnte ich klären aber so manches muss noch angegangen werden....
Die erste Woche hier haben wir hauptsächlich dazu genutzt uns hier in Boissy Saint Léger umzuschauen. Irgendwie ist Boissy ein sehr vielfältiger Vorort. Hinter der CAOMIDA den Berg rauf stehen viele kleine Häuser mit Gärten. Dort habe ich bis jetzt nur weiße Franzosen gesehen. Wenn man aber hier bei uns am Bahnhof ist oder drunter durch auf die andere Seite zum „Centre Comercial“ geht sieht man eigentlich nur Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Das ist mir zunächst gar nicht so sehr aufgefallen, bis ich dann im Supermarkt plötzlich ein weißes französisches Ehepaar ins Auge stach, welches irgendwie anders war als die restlichen Kunden. Ansonsten kann man sich Boissy so ein bisschen wie Bonn-Tannenbusch vorstellen, nur schöner: klar, die Hochhäuser bleiben hässliche Hochhäuser, aber zwischen ihnen und vor allem an den Straßen und Kreisverkehren kann man aufwendig gestaltete Blumenbeete und Grünanlagen bewundern. In einem Hochausviertel gibt es sogar zwei schöne Wasseranlagen mit Schilfbewuchs!
Was meine Arbeit hier anbelangt habe ich mit der Chefin hier ausgemacht, dass ich für den ersten Monat noch in der CAOMIDA bleibe. Zwar ist es hier natürlich eine andere Arbeit als die in der „platforme“(die Anlaufstelle, wo ich arbeiten werde), aber so habe ich genug Zeit ins Französische reinzukommen und mich schonmal mit dem Umgang der „jeunes“ ein wenig vertraut zu machen.
Am Dienstag durften wir zum Beispiel an einer ganztägigen „Réunion“ teilnehmen. Weil jetzt das neue Schuljahr beginnt ging es in dieser Teambesprechung vor allem um Grundsätzliches, die Regeln und Ziele der CAOMIDA, sowie die Projekte für das kommende Jahr. Ich fand es sehr anstrengend den französischen Gesprächen, auch wenn sie echt interessant waren, die ganze Zeit zu folgen. Natürlich habe ich nicht alles 100%tig verstanden, aber es wurde zum Beispiel sehr deutlich, was die Équipe hier, und vor allem unser Chef, die Sozialpolitik des französischen Präsidenten, gelinde gesagt, sehr kritisch bewerten. Nach den 7 Stunden war ich, obwohl ich mich nicht bewegt habe, echt sehr gerädert ;-)
Ansonsten haben wir noch dem Hausmeister, Maurice, ein bisschen unter die Arme gegriffen. Wir haben zum Beispiel die Autos sauber gemacht, oder den Sperrmüll aus dem 4. Stock geworfen (Video).
Heute sind wir dann mit dem hauptamtlichen Animatuer, Silvain, und zwei Jugendlichen zur „Kermesse des Associations“ gefahren. Das war eine Veranstaltung, auf der sich alle Vereine und Clubs die es in Boissy gibt vorstellen. Ziel war es dabei hauptsächlich zu verhandeln, ob die „Jeunes“ aus der CAOMIDA vergünstigt, oder am besten umsonst ein
Sportangebot in verschiedenen Vereinen wahrnehmen können.
Leider hat der neue Animateur, der eine Woche vor uns angefangen hat, schon wieder gekündigt, und so stehen wir vor dem Problem, dass wir bald keinen Ansprechpartner mehr haben, der uns hier anleiten kann.
Generell war ich diese Woche auch ein bisschen frustriert, weil ich so wenig gearbeitet habe und auch überhaupt arbeiten konnte. Auf die Frage was wir denn so machen können wurde uns immer wieder zu verstehen gegeben, dass wir alles ganz langsam angehen lassen sollen, erstmal die Namen der Jugendlichen lernen (was verdammt schwer ist ! Lernt mal 30 afghanische, indische, irakische usw. Namen) und dann mal gucken. Ab nächste Woche haben die Jugendlichen dann auch „zum Glück“ Hausaufgaben auf. Ich habe mir schon vorgenommen ihnen dann bei den Mathe oder Englischhausaufgaben zu helfen ;-)
Insgesamt sind die Mitarbeiter hier echt nett. Manchmal muss man zwei mal fragen um etwas zu bekommen, aber vor allem die Ed
ucateure haben immer ein offenes Ohr und helfen einem gerne weiter.
Gestern sind wir endlich mal nach rei
n nach Paris gefahren. Das dauert mit dem RER (S-Bahn) so ungefähr eine halbe Stunde. Weil wir leider immer noch keinen Pass Navigo haben sind wir die ganze Zeit gelaufen, was auch viel schöner war, denn wenn man unterirdische herumfährt sieht man ja auch logischerweise nichts von der Stadt. Es war ein schöner Spätsommertag und es hat richtig Spaß gemacht durch Paris zu laufen: Eifelturm, Champs Elysées, Louvre (natürlich nur von Außen) und dann noch Sacre Coeur. Oben auf dem Mont Martre habe ich dann nochmal richtig gesehen, wie groß Paris ist und ich bin glücklich, dass ich noch ein Jahr lang Zeit habe diese Stadt kennen zu lernen.
Eine wichtige Sache habe ich dann gestern auch noch gelernt: meine blaue Jacke hat ein zufällig ein Gendarmerie-blau. Das ist mir aufgefallen, als die ganzen Souvenirverkäufer auf der Brücke vorm Eifelturm bei meinem Anblick plötzlich alles zusammenpackten und, mich immer gut im Blick, schnell rüber auf die andere Straßenseite rannten ;-)
hui, das war ein langer Eintrag....
Euch allen morgen einen guten Start in die neue Woche!
Dienstag, 2. September 2008
Angekommen in Boissy Saint Léger

