Hallo,
jetzt bin ich schon eine Woche lang in Paris. In der Zeit habe ich wirklich positive Eindrücke gewinnen können. Vieles konnte ich klären aber so manches muss noch angegangen werden....
Die erste Woche hier haben wir hauptsächlich dazu genutzt uns hier in Boissy Saint Léger umzuschauen. Irgendwie ist Boissy ein sehr vielfältiger Vorort. Hinter der CAOMIDA den Berg rauf stehen viele kleine Häuser mit Gärten. Dort habe ich bis jetzt nur weiße Franzosen gesehen. Wenn man aber hier bei uns am Bahnhof ist oder drunter durch auf die andere Seite zum „Centre Comercial“ geht sieht man eigentlich nur Menschen mit afrikanischen Wurzeln. Das ist mir zunächst gar nicht so sehr aufgefallen, bis ich dann im Supermarkt plötzlich ein weißes französisches Ehepaar ins Auge stach, welches irgendwie anders war als die restlichen Kunden. Ansonsten kann man sich Boissy so ein bisschen wie Bonn-Tannenbusch vorstellen, nur schöner: klar, die Hochhäuser bleiben hässliche Hochhäuser, aber zwischen ihnen und vor allem an den Straßen und Kreisverkehren kann man aufwendig gestaltete Blumenbeete und Grünanlagen bewundern. In einem Hochausviertel gibt es sogar zwei schöne Wasseranlagen mit Schilfbewuchs!
Was meine Arbeit hier anbelangt habe ich mit der Chefin hier ausgemacht, dass ich für den ersten Monat noch in der CAOMIDA bleibe. Zwar ist es hier natürlich eine andere Arbeit als die in der „platforme“(die Anlaufstelle, wo ich arbeiten werde), aber so habe ich genug Zeit ins Französische reinzukommen und mich schonmal mit dem Umgang der „jeunes“ ein wenig vertraut zu machen.
Am Dienstag durften wir zum Beispiel an einer ganztägigen „Réunion“ teilnehmen. Weil jetzt das neue Schuljahr beginnt ging es in dieser Teambesprechung vor allem um Grundsätzliches, die Regeln und Ziele der CAOMIDA, sowie die Projekte für das kommende Jahr. Ich fand es sehr anstrengend den französischen Gesprächen, auch wenn sie echt interessant waren, die ganze Zeit zu folgen. Natürlich habe ich nicht alles 100%tig verstanden, aber es wurde zum Beispiel sehr deutlich, was die Équipe hier, und vor allem unser Chef, die Sozialpolitik des französischen Präsidenten, gelinde gesagt, sehr kritisch bewerten. Nach den 7 Stunden war ich, obwohl ich mich nicht bewegt habe, echt sehr gerädert ;-)
Ansonsten haben wir noch dem Hausmeister, Maurice, ein bisschen unter die Arme gegriffen. Wir haben zum Beispiel die Autos sauber gemacht, oder den Sperrmüll aus dem 4. Stock geworfen (Video).
Heute sind wir dann mit dem hauptamtlichen Animatuer, Silvain, und zwei Jugendlichen zur „Kermesse des Associations“ gefahren. Das war eine Veranstaltung, auf der sich alle Vereine und Clubs die es in Boissy gibt vorstellen. Ziel war es dabei hauptsächlich zu verhandeln, ob die „Jeunes“ aus der CAOMIDA vergünstigt, oder am besten umsonst ein
Sportangebot in verschiedenen Vereinen wahrnehmen können.
Leider hat der neue Animateur, der eine Woche vor uns angefangen hat, schon wieder gekündigt, und so stehen wir vor dem Problem, dass wir bald keinen Ansprechpartner mehr haben, der uns hier anleiten kann.
Generell war ich diese Woche auch ein bisschen frustriert, weil ich so wenig gearbeitet habe und auch überhaupt arbeiten konnte. Auf die Frage was wir denn so machen können wurde uns immer wieder zu verstehen gegeben, dass wir alles ganz langsam angehen lassen sollen, erstmal die Namen der Jugendlichen lernen (was verdammt schwer ist ! Lernt mal 30 afghanische, indische, irakische usw. Namen) und dann mal gucken. Ab nächste Woche haben die Jugendlichen dann auch „zum Glück“ Hausaufgaben auf. Ich habe mir schon vorgenommen ihnen dann bei den Mathe oder Englischhausaufgaben zu helfen ;-)
Insgesamt sind die Mitarbeiter hier echt nett. Manchmal muss man zwei mal fragen um etwas zu bekommen, aber vor allem die Ed
ucateure haben immer ein offenes Ohr und helfen einem gerne weiter.
Gestern sind wir endlich mal nach rei
n nach Paris gefahren. Das dauert mit dem RER (S-Bahn) so ungefähr eine halbe Stunde. Weil wir leider immer noch keinen Pass Navigo haben sind wir die ganze Zeit gelaufen, was auch viel schöner war, denn wenn man unterirdische herumfährt sieht man ja auch logischerweise nichts von der Stadt. Es war ein schöner Spätsommertag und es hat richtig Spaß gemacht durch Paris zu laufen: Eifelturm, Champs Elysées, Louvre (natürlich nur von Außen) und dann noch Sacre Coeur. Oben auf dem Mont Martre habe ich dann nochmal richtig gesehen, wie groß Paris ist und ich bin glücklich, dass ich noch ein Jahr lang Zeit habe diese Stadt kennen zu lernen.
Eine wichtige Sache habe ich dann gestern auch noch gelernt: meine blaue Jacke hat ein zufällig ein Gendarmerie-blau. Das ist mir aufgefallen, als die ganzen Souvenirverkäufer auf der Brücke vorm Eifelturm bei meinem Anblick plötzlich alles zusammenpackten und, mich immer gut im Blick, schnell rüber auf die andere Straßenseite rannten ;-)
hui, das war ein langer Eintrag....
Euch allen morgen einen guten Start in die neue Woche!
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